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Präzision und Passion aus dem Allgäu

Für Michael Lüke sind die Blaser-Jagdwaffen mehr als nur ein Geschäft

Blaser-Jagdwaffen - Präzision und Passion aus dem Allgäu

Als Michael Lüke vor der Frage stand, ob er die Firma Blaser kaufen sollte, musste er nicht lange überlegen. Längst nämlich war er Kunde des Allgäuer Jagdwaffenherstellers – er besaß zu diesem Zeitpunkt bereits etliche Blaser-Gewehre. Und war mit ihnen hoch zufrieden: „Ich brannte für diese Marke.“ Aus dem Kauf des Unternehmens wurde eine Erfolgsgeschichte. Zum Zeitpunkt der Übernahme im Jahr 2000 beschäftigte Blaser in dem beschaulichen heilklimatischen Kurort Isny 70 Leute, 19 Jahre später sind es 700. Lüke und seine Mitstreiter haben aus der einstigen Büchsenmacherei ein Industrieunternehmen plus Manufaktur gemacht. Der Ruf der Marke ist untadelig, wenn heute fünf Jäger eine Waffe kaufen, entscheiden sich vier von ihnen für eine aus der Blaser-Produktion.

Um eine solche Durchdringung des Marktes zu erreichen, sind viele Faktoren nötig. Michael Lüke nennt als einen der Gründe die ständige Bereitschaft zur technischen Innovation. Zu solchen Neuerungen zählt der Geradezugrepetierer. Er ermöglicht einen schnelleren und leichteren Bewegungsablauf für mehrere Schüsse nacheinander. Oder anders ausgedrückt: blitzschnelle Schussfolgen bei entspannter Körperhaltung. Bei der Entwicklung von Verbesserungen macht Lüke selber gern mit. Der passionierte Jäger, der schon mit fünfzehn Jahren seine Jagdscheinprüfung bestand, testet alle Prototypen und schlägt seinen Mitarbeitern technische Änderungen vor. Blaser-Gewehre sollen so konstruiert sein, dass sie den Jägern helfen, kleine menschliche Fehler zu vermeiden. Auf gut Deutsch heißt das immer: vorne weniger wackeln.

Doch technische Perfektion ist nicht alles. Jäger hängen mit Leib und Seele an einem Hobby, das oft genug einer wahren Passion gleicht. „Die Jagd“, sagt Lüke, „ist immer eine emotionale Angelegenheit“. Darauf reagiert das Unternehmen in der Verantwortung der Marketing-Chefin Wiebke Utsch mit einem stimmigen Lifestyle-Branding. Dazu gehört auch, dass der liebevoll gestaltete Katalog es mit jedem Coffeetablebook aufnehmen kann.

Man blättert auch als Laie gern durch diese Seiten, denn sie erschließen einem den ganzen Kosmos der Jagd. Blaser hat nämlich mehr zu bieten als hochwertige Gewehre. Aus der Waffenschmiede hat sich längst ein Unternehmen mit einer Produktfamilie rund um die Jagd entwickelt. So ist Blaser einer der größten Veranstalter von professionell organisierten Jagdreisen. Sie führen ausschließlich in Gegenden, die von Blaser-Mitarbeitern (allen voran von Michael Lüke) getestet wurden und bei denen Verantwortung für die Natur und Nachhaltigkeit an erster Stelle stehen. Die Ziele sind die herkömmlichen Jagdparadiese wie Ungarn und Namibia, aber auch zahlreiche andere afrikanische Länder, ebenso Australien, Grönland, Sibirien und Kanada.

Zur Blaser-Produktpalette zählen neben Munition und Schalldämpfern auch Zielrohre, Ferngläser, Waffenkoffer, Futterale, Gewehrriemen, Messer, Trolleys, Rucksäcke und hochwertige Outfits aus Loden und Pelz; die hauseigene Argali-Linie bietet Jacken, Hosen und Kappen in einer Farbgebung, die den Jäger mit seiner Umgebung eins werden lassen. Und natürlich die Jägerin: Etwa ein Viertel der Personen, die in Deutschland einen Jagdschein beantragen, sind mittlerweile weiblich. Wiebke Utsch zum Beispiel ist eine Nachfahrin des Jägers von Kurpfalz und wurde schon im zarten Alter von drei Jahren zum ersten Mal auf eine Jagd mitgenommen. Und ist seither von dieser Leidenschaft nicht mehr losgekommen.

Die Liebe zur Jagd verbindet auch die allermeisten Mitarbeiter mit ihrem Unternehmen, das den Erwerb des Grünen Abiturs, wie der Jagdschein auch genannt wird, fördert. So kommt es, dass in Verkauf und Marketing bei Blaser 80 Prozent der Mitarbeiter Jäger sind. So begegnen sie ihren Kunden und Kundinnen als kompetente Gesprächspartner. Überhaupt wird der Kontakt zur Kundschaft bewusst gepflegt, wozu auch viele Werksführungen zählen, Besuche im Schießkino inklusive. Eine wunderschöne Almhütte aus dem alten Holz authentischer Bauernhäuser verbreitet die Atmosphäre gediegener Behaglichkeit. Und zu sehen gibt es auf dem weiträumigen Gelände am Ziegelstadl in Isny nicht nur die industrielle Produktion, sondern auch die Handarbeit von Spezialisten.

Elemente der alten Manufaktur haben sich bei Blaser nämlich erhalten. Der Custom Shop ist dabei der sichtbarste Ausdruck für handwerkliche Präzision und Phantasie. Hier veredeln Büchsenmacher, Holzbearbeitungsspezialisten und Graveurmeister die Blaser-Waffen nach den Wünschen ihrer Kunden. Besonders liebevoll widmet sich Blaser dem Schaft, also dem Holzteil des Gewehrs. Die Schafthölzer werden nach Qualitätsstufen klassifiziert, vom relativ einfachen Kernholz aus der Mitte eines Stammes bis zum vielfach gemaserten, glänzend polierten kostbaren Wurzelholz. Was an Verschönerungen eines Gewehrs machbar ist? Fast alles vom vergoldeten Abzug über Schnitzereien an Schaft und Spange bis zu Fotos der Liebsten, Hundeporträts, geschnitzten Monogrammen im Griff oder eingravierten Namen. Ein Pokerspieler hat sich Spielkarten in einen Kunstharzschaft gießen lassen, ein Scheich wünschte die Verzierung durch Diamanten – der Phantasie der Kunden wird praktisch keine Grenze gesetzt, auch nicht beim Preis. Das teuerste bei Blaser veredelte Jagdgewehr kostete die Kleinigkeit von 378.000 Euro.

Wenn Michael Lüke von sich sagt, er sei „ständig auf der Jagd“, dann gilt das in doppelter Hinsicht. Tatsächlich geht er, so oft es der Terminkalender des Vielbeschäftigten zulässt, auf die Pirsch – zahlreiche Trophäen zeugen davon –, aber er ist auch sonst immer auf der Suche nach geschäftlichen Chancen. Wobei er Wert legt auf die Feststellung, Unternehmer zu sein und nicht bloßer Investor. Das Geschäft mit Jagdwaffen zielt nur auf einen kleineren Teil seines unternehmerischen Aktionsradius. Der Gesamtumsatz seiner Unternehmensgruppe, die neben der Waffensparte auch technische Vliesstoffe umfasst, hat inzwischen die Milliardenumsatzgrenze überschritten; Lüke  beschäftigt insgesamt 4.500 Mitarbeiter rund um den Globus. 

Bei 300 Reisetagen im Jahr muss er seine Zeit nutzen, das heißt, er ist in der Kommunikation geradeheraus und geradlinig. Er steht zu seinem Wort und gehört noch zu jenen Unternehmern, bei denen ein Handschlag mehr gilt als ein von Juristen ausgearbeiteter ellenlanger Vertrag. „Man kann ganz normal mit ihm sprechen“, sagt ein Mitarbeiter über Lüke. Und Wiebke Utsch stellt fest: „Man kann sich dreihundertprozentig auf ihn verlassen.“ Sie muss es wissen. Die beiden haben im Oktober geheiratet.

14.04.2020