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Bewerbergespräch online

Sechs Regeln für Kandidatinnen und Kandidaten

Bewerberinterviews über Videokonferenztools wie Zoom, MS Teams oder andere sind in Corona-Zeiten zur Regel geworden. Als Personalberater habe ich viel Verbesserungspotential festge-stellt. Hier sind sechs nützliche Ratschläge für Kandidatinnen und Kandidaten.

Regel Eins: Nehmen Sie auch das Videointerview ernst

Im vergangenen Jahr habe ich beobachtet, dass insbesondere Kandidatinnen und Kandidaten einerseits und die Vertreter der Arbeitgeberseite andererseits den online geführten Bewerberinterviews einen unterschiedlichen Stellenwert beimessen.

Kandidatinnen und Kandidaten waren oft der Meinung, dass sie sich weniger intensiv auf ein Videointerview vorbereiten müssen, weil es ja kein „echtes“, sondern nur ein „erstes“ Interview sei. Schaltet sich der Kandidat über sein Handy von unterwegs zu oder gar aus dem fahrenden Auto, entsteht bei seinem Gegenüber der Eindruck, dass er dem Gespräch keine wichtige Bedeutung beimisst. Auf der Arbeitgeberseite erkennt man fehlende Wertschätzung. So kann der Auswahlprozess bereits enden, bevor er richtig begonnen hat.

Die Vorbereitung auf ein Videointerview ist daher ebenso wichtig wie bei einem Bewerbungsgespräch mit physischer Anwesenheit. Nur sind auf einmal ganz andere Aspekte von Bedeutung. Kommen wir virtuell zu einem Interview zusammen, fällt ein lascher Händedruck ebenso wenig ins Gewicht wie ein schleppender Gang oder ein aufdringliches Parfüm. Dafür geraten andere Aspekte in den Fokus.

 

Regel zwei: Als Führungskraft beherrschen Sie die Technik

Testen Sie als Kandidatin oder Kandidat vor dem Termin, ob die technischen Voraussetzungen für einen reibungslosen Gesprächsverlauf gegeben sind und der erhaltene Link funktioniert. Nutzen Sie eine WLAN-Verbindung, dann verbinden Sie ihr Gerät nach Möglichkeit mit einem Kabel an den Router. Auch für ein Videointerview beweist man seine Motivation mit einer kurzen, gut vorbereiteten Präsentation. Sie sollten in der Lage sein, entsprechend den Bildschirm zu steuern, indem Sie ihre Präsentation in den richtigen Momenten einblenden. Wenn Sie schon zu Beginn des Gespräches oder in dessen Verlauf beweisen, dass Sie nicht mit der Technik umgehen können, disqualifizieren Sie sich schon damit für eine Führungsposition.

 

Regel drei: Setzen Sie sich richtig ins Bild

Achten Sie auf die Lichtverhältnisse und auf einen passenden, möglichst hellen Hintergrund. Vermeiden Sie es, Ihrem Gesprächspartner Einblicke in das Zimmer Ihrer Kinder oder in Ihr Schlafzimmer zu gewähren. Ein weichgezeichneter Hintergrund passt eigentlich immer.

Nutzen Sie Geräte mit einer qualitativ hochwertigen Kamera. Verwenden Sie idealerweise auch ein ebenso funktionales Headset. Beachten Sie, dass die Kamera Sie auf Augenhöhe einfängt. Der Bildausschnitt, den Ihre Gesprächspartner sehen, ist nicht immer identisch mit dem Ausschnitt, den Sie auf Ihrem eigenen Bildschirm vor sich haben. Vermeiden Sie unbedingt, dass die Kamera Sie von unten aufnimmt und Ihre Nasenlöcher in Nahaufnahme zeigt. Ihr Gesicht sollte in der Mitte zentriert sein.

Halten Sie Augenkontakt, schauen Sie also in die Kamera. Dies ist insbesondere dann wichtig, wenn Sie einen zweiten Bildschirm nutzen, auf dem Sie Fragen notiert haben oder Ihren Lebenslauf als Spickzettel bereithalten. Es wäre irritierend, wenn Ihr Gegenüber Sie dauernd im Profil sieht.

Natürlich haben Sie sichergestellt, dass Ihr Hund nicht im Hintergrund knurrt, die Nachbarwohnung mit dem Schlagbohrer renoviert wird und eine andere Person mit im Zimmer sitzt und von Zeit zu Zeit Kommentare abgibt.

 

Regel vier: Beachten Sie den Dresscode

Auch im Videointerview gilt: Kleider machen Leute.

Es zählt auch digital der alte Grundsatz „Lieber overdressed als underdressed.“

Versuchen Sie, sich auch im Outfit auf die Arbeitgeber einzustellen: Ein Personalleiter, Mitte dreißig, aus der Europazentrale eines amerikanischen Konzerns in Frankfurt mag es einer Bewerberin oder einem Bewerber nicht übelnehmen, wenn er oder sie im Kapuzenpullover auf dem Bildschirm auftaucht. Die Seniorchefin eines Mittelständlers aus dem Siegerland wird einen Kandidaten vielleicht schon deshalb ablehnen, weil er beim ersten Gespräch keine Krawatte trug.

 

Regel fünf: Keine Bewerbungsgespräche aus dem Büro des aktuellen Arbeitgebers

Videointerviews führt man nicht vom Büro seines heutigen Arbeitgebers aus. Der potenzielle neue Chef denkt sonst, Sie würden das gleiche auch bei ihm tun.

 

Regel sechs: Präsentieren Sie sich als Führungskraft

Ihre Gesprächspartner suchen eine Führungskraft. Die ist per Definition eine pro-aktive Persönlichkeit, und das sollten Sie schon im Gespräch zeigen. Stellen Sie die richtigen Fragen, um Ihr Interesse am möglichen neuen Arbeitgeber zu beweisen. Alle Informationen, die frei verfügbar sind, haben sie sich selbstverständlich schon zuvor in Eigeninitiative beschafft. Sagen Sie bitte nicht, Sie wollten im Videogespräch erst einmal zuhören, um sich danach intensiver zu informieren. Bereiten Sie sich also auf ein Bewerbungsgespräch online ebenso akribisch vor wie für ein traditionelles Bewerbergespräch. Wenn Sie sich darüber hinaus authentisch und transparent präsentieren, geben Sie ihrem Gegenüber die Chance, Sie bestmöglich kennenzulernen.  

Wir bei DEININGER unterstützen als Beratungsunternehmen unsere Mandanten darin, Videokonferenztools optimal im Rekrutierungsprozess einzusetzen und weisen Sie auf die Stärken, aber auch auf die Risiken hin. Fragen Sie uns gern um Rat.

25.01.2021